Portrait Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESADr. Pehböck

Schmerztherapie

Gelenkschmerzen bei Arthrose: Konservative Therapieoptionen im Überblick

Arthrose zählt zu den häufigsten Gelenkerkrankungen und kann den Alltag spürbar einschränken. Die gute Nachricht: Vor einer Operation stehen zahlreiche konservative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit erhalten können.

Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESA4 Min. Lesezeit
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Was ist Arthrose?

Arthrose ist ein langsam fortschreitender Verschleiß des Gelenkknorpels. Der Knorpel, der normalerweise als Stoßdämpfer zwischen den Knochen wirkt, verliert mit der Zeit an Elastizität und Dicke. Dadurch reiben die Gelenkflächen vermehrt aneinander, was zu Schmerzen, Steifigkeit und Bewegungseinschränkungen führen kann. Besonders häufig betroffen sind Knie-, Hüft-, Schulter- und Fingergelenke.

Typische Beschwerden sind:

  • Anlaufschmerzen nach Ruhephasen
  • Belastungsabhängige Gelenkschmerzen
  • Morgendliche Steifigkeit
  • Schwellungen und gelegentliche Überwärmung
  • Eingeschränkte Beweglichkeit

Da der Knorpelverschleiß bislang nicht rückgängig gemacht werden kann, zielt die Behandlung darauf ab, Beschwerden zu lindern, das Fortschreiten zu verlangsamen und die Lebensqualität zu erhalten. Eine Operation – etwa der Gelenkersatz – ist meist erst dann sinnvoll, wenn konservative Maßnahmen nicht mehr ausreichend wirken.

Konservative Schmerzbehandlung: Die Säulen der Therapie

Die konservative Schmerzbehandlung bei Arthrose stützt sich auf mehrere Bausteine, die in Kombination am wirkungsvollsten sind. Welche Maßnahmen geeignet sind, hängt vom betroffenen Gelenk, dem Stadium der Arthrose und individuellen Faktoren ab.

1. Bewegung und Sport

Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung gilt als zentraler Baustein bei Arthrose-Schmerzen. Sie verbessert die Durchblutung des Gelenks, ernährt den Knorpel über die Gelenkflüssigkeit und stärkt die umliegende Muskulatur, die das Gelenk stabilisiert.

Empfehlenswert sind insbesondere:

  • Schwimmen und Aquagymnastik
  • Radfahren auf ebener Strecke
  • Nordic Walking
  • Sanftes Krafttraining
  • Yoga oder Pilates in angepasster Form

Sportarten mit ruckartigen Belastungen oder hohem Verletzungsrisiko – etwa Kontaktsportarten – sollten dagegen mit Vorsicht ausgeübt werden. Vor Beginn eines neuen Trainings empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung.

2. Physiotherapie und physikalische Therapie

Eine gezielte Physiotherapie kann helfen, Fehlhaltungen auszugleichen, Muskeln aufzubauen und die Beweglichkeit zu verbessern. Therapeutinnen und Therapeuten erstellen individuelle Übungsprogramme, die auch zu Hause fortgeführt werden können.

Ergänzend kommen physikalische Verfahren zum Einsatz:

  • Wärmeanwendungen (z. B. Fango, Wärmepackungen) bei chronischen Beschwerden
  • Kälteanwendungen bei akuten Entzündungsschüben
  • Elektrotherapie zur Schmerzlinderung
  • Ultraschalltherapie
  • Manuelle Therapie zur Mobilisation

3. Gewichtsreduktion und Ernährung

Übergewicht stellt einen wesentlichen Risikofaktor für Arthrose der unteren Extremitäten dar. Jedes Kilogramm Körpergewicht belastet das Kniegelenk beim Gehen mit einem Vielfachen. Eine moderate Gewichtsabnahme kann daher die Schmerzen spürbar reduzieren.

Eine ausgewogene, entzündungshemmende Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, hochwertigen Pflanzenölen sowie Omega-3-reichen Lebensmitteln (z. B. Fisch, Leinsamen) kann unterstützend wirken. Die Datenlage zu Nahrungsergänzungsmitteln wie Glucosamin oder Chondroitin ist uneinheitlich – eine individuelle Beratung ist sinnvoll.

4. Medikamentöse Schmerztherapie

Zur Linderung von Arthrose-Schmerzen stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Welches Medikament geeignet ist, hängt von Schmerzintensität, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit ab. Eine ärztliche Beratung ist hier unerlässlich.

Häufig eingesetzt werden:

  • Paracetamol bei leichteren Schmerzen
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, oral oder als Salbe
  • Topische Schmerzmittel in Form von Cremes oder Gels
  • In ausgewählten Fällen schwächere Opioide unter strenger ärztlicher Kontrolle

Wichtig: Schmerzmittel sollten nicht dauerhaft auf eigene Faust eingenommen werden. Insbesondere NSAR können bei längerer Einnahme Magen, Nieren und Herz-Kreislauf-System belasten.

5. Infiltrationen ins Gelenk

Wenn orale Medikamente und Physiotherapie nicht ausreichen, können Injektionen direkt in das betroffene Gelenk eine Option sein. Diese werden unter sterilen Bedingungen durchgeführt.

Zu den gängigen Verfahren zählen:

  • Kortison-Infiltrationen: Können akute Entzündungen und starke Schmerzen kurzfristig lindern. Werden meist nur in größeren Abständen eingesetzt.
  • Hyaluronsäure-Infiltrationen: Sollen die Gelenkschmiere verbessern und die Stoßdämpferfunktion unterstützen. Die Wirkung kann individuell unterschiedlich ausgeprägt sein.
  • Plättchenreiches Plasma (PRP / ACP): Aus dem eigenen Blut gewonnene Wachstumsfaktoren, die regenerative Prozesse anregen können. Die Studienlage entwickelt sich laufend weiter.

Welche Infiltration im Einzelfall sinnvoll ist, sollte individuell im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung besprochen werden.

6. Hilfsmittel und Orthopädietechnik

Hilfsmittel können das Gelenk entlasten und so zur Schmerzlinderung beitragen:

  • Einlagen und gedämpfte Schuhe
  • Bandagen und Orthesen
  • Gehstöcke oder Walking-Stöcke
  • Pufferabsätze

Auch ergonomische Anpassungen am Arbeitsplatz oder zu Hause – etwa erhöhte Sitzgelegenheiten – können den Alltag erleichtern.

7. Komplementäre Verfahren

Manche Patientinnen und Patienten profitieren ergänzend von komplementären Methoden wie Akupunktur, Osteopathie oder TENS-Geräten (transkutane elektrische Nervenstimulation). Diese ersetzen keine schulmedizinische Therapie, können aber als Ergänzung empfunden werden. Eine offene Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt ist empfehlenswert.

Wann sind weitere Schritte nötig?

Trotz aller konservativen Maßnahmen kann eine Arthrose im Verlauf so weit fortschreiten, dass die Beschwerden anhalten oder zunehmen. Anhaltende Ruheschmerzen, deutliche Bewegungseinschränkungen oder ein erheblicher Verlust an Lebensqualität sind Hinweise darauf, dass weitere Optionen – etwa eine operative Versorgung – geprüft werden sollten. Eine frühzeitige fachärztliche Abklärung hilft, den passenden Behandlungsweg zu finden.

Fazit

Die Therapie von Arthrose-Schmerzen ist vielschichtig. Bewegung, Physiotherapie, Gewichtsmanagement, eine maßgeschneiderte medikamentöse Behandlung sowie gezielte Infiltrationen können in Kombination dazu beitragen, Gelenkschmerzen zu reduzieren und die Beweglichkeit zu erhalten. Wichtig ist ein individuell abgestimmtes Konzept, das regelmäßig überprüft und angepasst wird.

Wer früh aktiv wird, hat gute Chancen, lange mobil und schmerzarm zu bleiben – ohne dass eine Operation zwangsläufig notwendig wird.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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