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Schmerztherapie

Infiltrationen und interventionelle Schmerztherapie: Ablauf, Einsatzgebiete und was Patientinnen und Patienten erwartet

Wenn Schmerzmittel in Tablettenform nicht ausreichend wirken, können gezielte Injektionen eine sinnvolle Ergänzung sein. Dieser Beitrag erklärt verständlich, wie Infiltrationen ablaufen und in welchen Situationen sie eingesetzt werden können.

Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESA4 Min. Lesezeit
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Was bedeutet interventionelle Schmerztherapie?

Die interventionelle Schmerztherapie umfasst ärztliche Verfahren, bei denen Medikamente direkt an den vermuteten Ort der Schmerzentstehung gebracht werden – etwa an Nervenwurzeln, Gelenke oder bestimmte Muskelpartien. Im Gegensatz zur klassischen Einnahme von Tabletten wirkt die Substanz dadurch lokal, oft in geringerer Dosierung und mit weniger systemischen Nebenwirkungen.

Eine Schmerzinfiltration ist eine der häufigsten Maßnahmen innerhalb dieses Therapiebereichs. Sie wird in der Regel dann erwogen, wenn andere Behandlungsschritte – etwa Physiotherapie, Bewegungstherapie oder medikamentöse Basistherapie – nicht ausreichend zur Linderung beigetragen haben.

Wie wirkt eine Schmerzinfiltration?

Bei einer Infiltration wird mit einer dünnen Nadel ein Medikament an eine genau definierte Stelle im Körper eingebracht. Verwendet werden meist:

  • Lokalanästhetika, die Nervenfasern vorübergehend "ruhigstellen"
  • entzündungshemmende Substanzen wie Kortisonpräparate
  • in bestimmten Fällen auch hyaluronsäurehaltige Lösungen oder andere Wirkstoffe

Ziel ist es, den Schmerzkreislauf zu unterbrechen, eine entzündliche Reizung zu beruhigen und so die Beweglichkeit zu verbessern. Häufig wird die Infiltration mit aktiver Therapie wie Physiotherapie kombiniert, um nachhaltige Effekte zu unterstützen.

Mögliche Einsatzgebiete

Infiltration an der Wirbelsäule

Die Infiltration der Wirbelsäule zählt zu den bekanntesten Verfahren der interventionellen Schmerztherapie. Sie kann unter anderem zum Einsatz kommen bei:

  • Bandscheibenbedingten Beschwerden mit Ausstrahlung in Arm oder Bein
  • Reizungen einzelner Nervenwurzeln (z. B. bei einem Bandscheibenvorfall)
  • Verschleißerscheinungen der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke)
  • Engstellen im Wirbelkanal (Spinalkanalstenose)
  • Schmerzen im Bereich des Iliosakralgelenks

Je nach Beschwerdebild kommen unterschiedliche Techniken in Betracht – etwa periradikuläre Infiltrationen an der Nervenwurzel, Facettengelenksinfiltrationen oder epidurale Injektionen. Welche Variante geeignet ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach eingehender Untersuchung und Bildgebung.

Gelenkinfiltrationen

Auch außerhalb der Wirbelsäule sind Infiltrationen ein etabliertes Verfahren. Häufig behandelte Bereiche sind:

  • Schulter (z. B. bei Schleimbeutelreizungen oder Engpasssyndromen)
  • Knie (z. B. bei aktivierter Arthrose)
  • Hüfte
  • Sprunggelenk
  • kleine Gelenke an Hand und Fuß

Muskel- und Sehnenansätze

Bei chronischen Reizzuständen an Sehnenansätzen – etwa am Ellbogen ("Tennisellenbogen") oder an der Achillessehne – kann eine gezielte Infiltration zur Linderung beitragen. Auch sogenannte myofasziale Triggerpunkte, also schmerzhafte Verhärtungen in der Muskulatur, lassen sich auf diese Weise behandeln.

Nervenblockaden

In bestimmten Situationen werden einzelne Nerven vorübergehend blockiert, etwa bei Kopfschmerzen vom Nacken ausgehend (z. B. Okzipitalisblockade) oder bei Nervenkompressionssyndromen. Solche Blockaden dienen sowohl der Therapie als auch der diagnostischen Eingrenzung der Schmerzursache.

Ablauf einer Infiltration in der Praxis

Auch wenn der genaue Ablauf vom jeweiligen Verfahren abhängt, folgt eine Infiltration meist einem ähnlichen Schema.

1. Anamnese und Untersuchung

Vor jeder Behandlung steht ein ausführliches Gespräch. Dabei werden Beschwerden, Vorerkrankungen, eingenommene Medikamente (insbesondere Blutverdünner) sowie Allergien erfasst. Eine körperliche Untersuchung und – falls noch nicht vorhanden – eine geeignete Bildgebung (z. B. MRT, Röntgen) ergänzen die Diagnostik.

2. Aufklärung

Patientinnen und Patienten werden über das Ziel, den Ablauf, mögliche Risiken und Alternativen informiert. Auch realistische Erwartungen an das Ergebnis werden besprochen: Eine Infiltration kann Beschwerden lindern, ist aber selten eine alleinige Lösung und wird in der Regel als Teil eines Gesamtkonzepts eingesetzt.

3. Vorbereitung

Die Haut wird sorgfältig desinfiziert, der Bereich steril abgedeckt. Bei Eingriffen an der Wirbelsäule oder an tieferliegenden Strukturen erfolgt die Punktion häufig unter bildgebender Kontrolle – etwa per Ultraschall oder Röntgendurchleuchtung – um die Nadel präzise zu platzieren.

4. Durchführung

Die Injektion selbst dauert meist nur wenige Minuten. Viele Patientinnen und Patienten beschreiben den Einstich als kurzen, gut tolerierbaren Druck. Während des Eingriffs kann es zu einem dumpfen Ziehen oder einem kurzen Ausstrahlen kommen, was meist ein Hinweis auf die korrekte Lage der Nadel ist.

5. Nachbeobachtung

Nach der Infiltration ist eine kurze Ruhephase üblich, um die Wirkung und das Befinden zu kontrollieren. Je nach Verfahren wird empfohlen, am Behandlungstag auf körperliche Belastung zu verzichten. Beim Eingriff an der Wirbelsäule ist es ratsam, nicht selbst mit dem Auto nach Hause zu fahren.

Wirkung und mögliche Risiken

Die Wirkung kann unterschiedlich rasch eintreten: Lokalanästhetika wirken oft innerhalb weniger Minuten, entzündungshemmende Komponenten benötigen meist einige Tage. In manchen Fällen sind mehrere Sitzungen sinnvoll, um einen stabileren Effekt zu erzielen.

Wie jede medizinische Maßnahme ist auch eine Infiltration mit gewissen Risiken verbunden. Dazu zählen unter anderem:

  • vorübergehende Schmerzverstärkung an der Einstichstelle
  • kleine Blutergüsse
  • selten Infektionen
  • allergische Reaktionen auf eingesetzte Substanzen
  • bei wirbelsäulennahen Eingriffen sehr selten Nervenreizungen

Eine sorgfältige Indikationsstellung, sterile Bedingungen und – wo erforderlich – die Kontrolle durch Bildgebung tragen dazu bei, das Risiko gering zu halten.

Wann ist eine Infiltration nicht geeignet?

Nicht in jeder Situation ist eine Schmerzinfiltration sinnvoll. Mögliche Gründe gegen eine Behandlung können sein:

  • akute Infektionen, insbesondere im Bereich der geplanten Einstichstelle
  • bestimmte Gerinnungsstörungen oder die Einnahme blutverdünnender Medikamente, die nicht pausiert werden können
  • bekannte Unverträglichkeiten gegen die verwendeten Substanzen
  • unklare Beschwerdeursachen, die zunächst weiter abgeklärt werden sollten

Diese Fragen werden im Vorfeld individuell besprochen.

Eingebettet in ein Gesamtkonzept

Infiltrationen entfalten ihren Nutzen vor allem dann, wenn sie als Bestandteil eines umfassenden Therapiekonzepts verstanden werden. Bewegung, Physiotherapie, eine angepasste Lebensweise sowie – wo nötig – eine ergänzende medikamentöse Therapie sind wichtige Säulen. Die interventionelle Schmerztherapie kann ein Zeitfenster schaffen, in dem aktive Maßnahmen besser umsetzbar werden.

Wer länger anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen hat, sollte das Beschwerdebild ärztlich abklären lassen. So kann gemeinsam entschieden werden, ob eine Infiltration eine sinnvolle Option ist oder andere Wege zielführender sind.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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