Was ist Arthrose?
Arthrose bezeichnet einen fortschreitenden Verschleiß des Gelenkknorpels, der mit Schmerzen, Steifigkeit und einer Einschränkung der Beweglichkeit einhergehen kann. Besonders häufig sind Knie-, Hüft-, Hand- und Schultergelenke betroffen. In Österreich leiden Schätzungen zufolge mehrere hunderttausend Menschen an arthrosebedingten Beschwerden – mit steigender Tendenz im höheren Lebensalter.
Die gute Nachricht: Nicht jede Arthrose muss operativ behandelt werden. Eine durchdachte Arthrose Schmerztherapie auf konservativer Basis kann Beschwerden oft über lange Zeit deutlich verringern und den Erhalt der Lebensqualität unterstützen.
Ziele der konservativen Behandlung
Die Arthrose konservative Therapie verfolgt mehrere Ziele:
- Linderung der Schmerzen
- Erhalt oder Verbesserung der Gelenkfunktion
- Verzögerung des Krankheitsverlaufs
- Reduktion von Entzündungsschüben
- Verbesserung der Lebensqualität im Alltag
In der Regel werden mehrere Bausteine kombiniert, da kein einzelnes Verfahren alle Aspekte gleichzeitig abdeckt. Die Auswahl richtet sich nach Stadium, betroffenem Gelenk, Begleiterkrankungen und individuellen Bedürfnissen.
Basismaßnahmen: Lebensstil und Bewegung
Bewegung und Physiotherapie
Regelmäßige, gelenkschonende Bewegung gehört zu den wichtigsten Säulen bei der Gelenkschmerzen Behandlung. Geeignet sind etwa:
- Schwimmen und Aquagymnastik
- Radfahren auf ebener Strecke
- Nordic Walking
- gezieltes Krafttraining unter Anleitung
Physiotherapeutische Maßnahmen können helfen, Muskulatur aufzubauen, Fehlbelastungen auszugleichen und die Beweglichkeit zu erhalten.
Gewichtsmanagement
Übergewicht erhöht insbesondere die Belastung von Knie- und Hüftgelenken. Bereits eine moderate Gewichtsreduktion kann zu einer spürbaren Entlastung beitragen.
Ergonomie und Hilfsmittel
Orthopädische Einlagen, Bandagen, Gehstöcke oder Pufferabsätze können Gelenke entlasten. Auch eine Anpassung des Arbeitsplatzes oder der Wohnsituation kann sinnvoll sein.
Medikamentöse Therapie
Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente
Zur kurzfristigen Linderung akuter Beschwerden kommen häufig nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac zum Einsatz. Sie wirken schmerzstillend und entzündungshemmend, sollten aber wegen möglicher Nebenwirkungen (Magen, Niere, Herz-Kreislauf) nur nach ärztlicher Empfehlung und meist zeitlich begrenzt eingenommen werden.
Paracetamol kann bei leichten Schmerzen eine Alternative darstellen, ist in seiner Wirksamkeit bei Arthrose jedoch begrenzt.
Topische Anwendungen
Schmerzgele oder -salben mit NSAR oder Capsaicin werden direkt auf das betroffene Gelenk aufgetragen. Sie haben in der Regel weniger systemische Nebenwirkungen und eignen sich besonders bei oberflächennahen Gelenken wie Knie oder Fingern.
SYSADOA – langsam wirksame Substanzen
Wirkstoffe wie Glucosamin, Chondroitinsulfat oder Hyaluronsäure (oral) werden in der Gruppe der „symptomatic slow-acting drugs in osteoarthritis" zusammengefasst. Die Studienlage ist uneinheitlich; bei manchen Patientinnen und Patienten kann eine Linderung beobachtet werden.
Interventionelle Verfahren
Wenn Basismaßnahmen und orale Medikamente nicht ausreichend helfen, können gezielte Injektionen in oder um das Gelenk eine sinnvolle Ergänzung darstellen.
Kortisoninjektionen
Glukokortikoide werden direkt ins Gelenk gespritzt und können akute Entzündungen sowie starke Schmerzen kurzfristig deutlich reduzieren. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen am Knorpel werden sie in der Regel nur in begrenzter Häufigkeit angewendet.
Hyaluronsäure-Injektionen
Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit. Durch eine Injektion ins Gelenk soll die Gleitfähigkeit verbessert und die Stoßdämpfung unterstützt werden. Diese Therapie kann insbesondere bei leichter bis mittelgradiger Arthrose zur Linderung beitragen.
Plättchenreiches Plasma (PRP)
Beim PRP-Verfahren wird körpereigenes Blut aufbereitet und das gewonnene plättchenreiche Plasma in das betroffene Gelenk injiziert. Die enthaltenen Wachstumsfaktoren sollen Reparaturprozesse anregen. Aktuelle Studien deuten auf positive Effekte hin, eine abschließende Bewertung steht jedoch noch aus.
Radiosynoviorthese und weitere Verfahren
Bei chronischen Entzündungszuständen können in spezialisierten Zentren weiterführende Verfahren wie eine Radiosynoviorthese erwogen werden. Die Indikation wird individuell gestellt.
Ergänzende und physikalische Therapien
Neben den klassischen Bausteinen gibt es eine Reihe ergänzender Maßnahmen, die den Behandlungserfolg unterstützen können:
- Wärme- und Kälteanwendungen: Wärme entspannt die Muskulatur, Kälte kann bei akuten Entzündungen lindernd wirken.
- Elektrotherapie (z. B. TENS): kann zur Schmerzreduktion beitragen.
- Manuelle Therapie und Osteopathie: zur Verbesserung der Beweglichkeit und Entlastung umliegender Strukturen.
- Akupunktur: einzelne Studien zeigen einen möglichen Nutzen, insbesondere bei Kniearthrose.
- Ernährung: eine entzündungshemmende Kost mit viel Gemüse, Omega-3-Fettsäuren und wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln kann unterstützend wirken.
Was Sie selbst tun können
Eine aktive Mitarbeit der Patientinnen und Patienten gilt als wesentlicher Faktor für den Therapieerfolg. Hilfreich sind unter anderem:
- regelmäßige, dosierte Bewegung
- Vermeidung längerer Schonhaltungen
- ausgewogene Ernährung
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Stressmanagement und ausreichend Schlaf
- Verzicht auf Nikotin
Auch ein Schmerztagebuch kann sinnvoll sein, um Auslöser und wirksame Maßnahmen besser einzuordnen.
Wann ärztliche Abklärung sinnvoll ist
Eine ärztliche Vorstellung sollte erfolgen, wenn:
- Schmerzen über mehrere Wochen anhalten oder zunehmen
- die Beweglichkeit deutlich eingeschränkt ist
- nächtliche Ruheschmerzen auftreten
- Gelenke geschwollen, gerötet oder überwärmt sind
- der Alltag spürbar beeinträchtigt ist
Eine fundierte Diagnostik – bestehend aus Anamnese, klinischer Untersuchung und gegebenenfalls Bildgebung – bildet die Grundlage für eine individuell abgestimmte Therapie.
Fazit
Die konservative Behandlung der Arthrose ist vielfältig und sollte stufenweise und individuell angepasst erfolgen. Eine Kombination aus Bewegung, gezielter medikamentöser Therapie, interventionellen Verfahren und ergänzenden Maßnahmen kann Schmerzen lindern und die Lebensqualität verbessern. Eine Operation ist in vielen Fällen nicht zwingend erforderlich oder kann zumindest zeitlich hinausgezögert werden.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.


