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Palliativmedizin

Trauer und Abschied: Wie Angehörige in der Palliativbetreuung begleitet werden

Eine schwere Erkrankung und der Verlust eines geliebten Menschen stellen Angehörige vor enorme Herausforderungen. Doch niemand muss diesen Weg allein gehen – professionelle Trauerbegleitung und vielfältige Unterstützungsangebote stehen in Österreich zur Verfügung.

Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESA4 Min. Lesezeit
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Wenn das Leben Abschied nimmt: Angehörige in der Palliativbetreuung

Die Diagnose einer unheilbaren Erkrankung verändert nicht nur das Leben der betroffenen Person, sondern auch das ihrer Familie und Freunde. In der Palliativbetreuung steht nicht allein die medizinische Versorgung im Vordergrund – auch die seelische, soziale und spirituelle Begleitung der Angehörigen ist ein zentraler Bestandteil. Trauer beginnt häufig nicht erst nach dem Tod, sondern schon während der Erkrankung. Eine einfühlsame Trauerbegleitung kann in dieser belastenden Zeit eine wichtige Stütze sein.

Trauer beginnt vor dem Abschied

Viele Angehörige erleben bereits während der Erkrankung tiefe Trauer. Fachleute sprechen hier von "antizipatorischer Trauer". Sie äußert sich etwa in:

  • Gefühlen von Hilflosigkeit, Angst und Überforderung
  • Schlafstörungen, Erschöpfung und körperlichen Beschwerden
  • Schuldgefühlen, Wut oder innerem Rückzug
  • Schwierigkeiten, gleichzeitig Alltag, Pflege und eigene Bedürfnisse in Einklang zu bringen

Diese Reaktionen sind normal und Ausdruck einer tiefen Verbundenheit. Wer sie zulässt und sich Unterstützung holt, kann den Abschiedsprozess bewusster gestalten.

Unterstützung während der Erkrankung

Palliativteams und mobile Hospizdienste

In Österreich gibt es ein gut ausgebautes Netz aus Palliativstationen, Tageshospizen, mobilen Palliativteams und ehrenamtlichen Hospizdiensten. Sie unterstützen nicht nur die erkrankte Person, sondern beziehen auch die Angehörigen aktiv ein. Zu den Angeboten gehören:

  • Beratungsgespräche zu medizinischen, pflegerischen und organisatorischen Fragen
  • Entlastung bei der häuslichen Pflege durch ehrenamtliche Hospizbegleitung
  • Psychosoziale Begleitung durch geschulte Fachkräfte
  • Vermittlung von Sozialarbeit, Seelsorge oder Kunsttherapie

Psychosoziale Begleitung Angehöriger

Klinische Psychologinnen und Psychologen, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie speziell ausgebildete Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter bieten Einzelgespräche an. Ziel ist es, Belastungen zu reduzieren, Bewältigungsstrategien zu stärken und Raum für die eigenen Gefühle zu schaffen. Solche Gespräche können dazu beitragen, schwierige Phasen besser zu durchstehen.

Unterstützung für Kinder und Jugendliche

Wenn ein Elternteil oder Großelternteil schwer erkrankt, brauchen Kinder altersgerechte Begleitung. Spezialisierte Beratungsstellen helfen Familien dabei, mit Kindern offen über Krankheit, Sterben und Tod zu sprechen. Initiativen wie "Rainbows" oder Angebote der Kinder- und Jugendhospizarbeit unterstützen junge Menschen einfühlsam.

Nach dem Verlust: Trauerbegleitung als Wegbegleitung

Mit dem Tod eines nahestehenden Menschen beginnt ein neuer Abschnitt der Trauer. Manche Angehörige fühlen sich erleichtert, andere wie betäubt, viele erleben eine Achterbahn der Gefühle. Wichtig ist: Es gibt keinen "richtigen" Weg zu trauern – jeder Mensch findet sein eigenes Tempo.

Häufige Trauerreaktionen

  • Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Konzentrationsprobleme
  • Sehnsucht, Schuldgefühle oder anhaltende Niedergeschlagenheit
  • Sozialer Rückzug oder das Gefühl innerer Leere
  • Wiederkehrende Erinnerungen an Krankheit und Sterben

Solche Reaktionen klingen bei vielen Menschen mit der Zeit ab. Halten sie über Monate stark an oder verschlimmern sie sich, kann eine professionelle Begleitung sinnvoll sein. In manchen Fällen entwickelt sich eine sogenannte anhaltende Trauerstörung, die ärztlich oder psychotherapeutisch behandelt werden sollte.

Angebote zur Trauerbewältigung in Österreich

In ganz Österreich stehen unterschiedliche Anlaufstellen für Trauerbewältigung zur Verfügung. Welche Form der Begleitung passt, hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab.

Trauergruppen

In moderierten Gruppen treffen sich Menschen, die einen ähnlichen Verlust erlebt haben. Der Austausch kann entlastend wirken und das Gefühl vermitteln, mit der eigenen Trauer nicht allein zu sein. Trauergruppen werden u. a. angeboten von:

  • Hospiz Österreich und seinen Landesorganisationen
  • Caritas, Diakonie und Rotes Kreuz
  • Pfarren und kirchlichen Einrichtungen
  • Selbsthilfegruppen, etwa für verwaiste Eltern oder hinterbliebene Partnerinnen und Partner

Einzelbegleitung

Wer lieber im geschützten Rahmen eines Vier-Augen-Gesprächs trauern möchte, kann sich an ausgebildete Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter, an psychotherapeutische Praxen oder klinische Psychologinnen und Psychologen wenden. Auch Hausärztinnen und Hausärzte sind oft eine erste Anlaufstelle und können weitervermitteln.

Trauercafés und niederschwellige Treffpunkte

In vielen Städten gibt es Trauercafés – offene, unverbindliche Treffen ohne Anmeldung. Sie bieten einen geschützten Raum für Gespräche, Stille und gegenseitige Anteilnahme.

Spirituelle und seelsorgerische Begleitung

Für Menschen, die in ihrem Glauben Halt finden, kann seelsorgerische Begleitung wichtig sein. Klinikseelsorge, Pfarren und interkulturelle Seelsorgeangebote stehen unabhängig von der Konfession zur Verfügung.

Was Angehörige selbst tun können

Trauer ist ein Prozess, der Zeit braucht. Folgende Hinweise können hilfreich sein:

  • Sich selbst Geduld und Pausen erlauben
  • Auf einen geregelten Schlaf-Wach-Rhythmus und ausreichend Bewegung achten
  • Soziale Kontakte pflegen, ohne sich zu überfordern
  • Rituale schaffen – etwa Erinnerungsorte, Briefe oder Jahrestage gemeinsam mit anderen begehen
  • Bei anhaltender Belastung frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen

Auch körperliche Symptome wie anhaltende Erschöpfung, Schlafprobleme oder Appetitlosigkeit sollten ärztlich abgeklärt werden, da Trauer und körperliche Gesundheit eng zusammenhängen.

Wann professionelle Hilfe besonders wichtig ist

Es gibt Situationen, in denen psychotherapeutische oder ärztliche Unterstützung besonders empfehlenswert ist:

  • Wenn die Trauer über viele Monate unverändert intensiv bleibt
  • Bei depressiven Symptomen, Hoffnungslosigkeit oder Suizidgedanken
  • Bei Suchtmittelkonsum zur Bewältigung der Gefühle
  • Wenn der Alltag, Beruf oder die Versorgung von Kindern dauerhaft beeinträchtigt ist

In solchen Fällen ist es ratsam, Kontakt zu Hausärztin oder Hausarzt, einer psychotherapeutischen Praxis oder einer Krisenstelle aufzunehmen. Die Telefonseelsorge unter 142 ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar.

Fazit: Trauer braucht Raum – und Begleitung

Trauerbegleitung ist ein wesentlicher Teil einer ganzheitlichen Palliativbetreuung. Sie unterstützt Angehörige Palliativ-Patientinnen und -Patienten dabei, die Zeit der Erkrankung bewusst zu erleben und nach dem Verlust einen Weg zurück ins Leben zu finden. Die Trauerbewältigung in Österreich wird durch ein breites Netz aus Hospizdiensten, Beratungsstellen, Trauergruppen und psychosozialen Fachkräften getragen. Wer Unterstützung sucht, findet sie – oft näher, als man denkt.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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