Was bedeutet Migräneprophylaxe?
Unter Migräneprophylaxe versteht man Maßnahmen, die darauf abzielen, Migräneattacken bereits im Vorfeld zu verhindern oder zumindest deutlich abzuschwächen. Im Gegensatz zur Akuttherapie, die während eines Anfalls eingesetzt wird, handelt es sich hierbei um eine längerfristige Behandlung. Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, die Zahl der Kopfschmerztage zu senken und den Bedarf an Akutmedikamenten zu reduzieren.
Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Schätzungen zufolge ist etwa jede zehnte Person in Österreich davon betroffen, Frauen häufiger als Männer. Wer Migräne vorbeugen möchte, hat heute verschiedene wissenschaftlich gut untersuchte Optionen zur Verfügung.
Wann kommt eine vorbeugende Behandlung in Frage?
Nicht jede Migräne erfordert eine Dauertherapie. Eine Migräneprophylaxe wird in der Regel dann erwogen, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:
- Häufige Attacken: drei oder mehr Migränetage pro Monat
- Starke Beeinträchtigung: lange Dauer der Attacken oder ausgeprägte Begleitsymptome wie Übelkeit, Schwindel oder neurologische Ausfälle
- Unzureichende Wirkung der Akuttherapie oder Unverträglichkeit gegenüber Akutmedikamenten
- Drohender Medikamentenübergebrauch: Einnahme von Schmerz- oder Migränemitteln an mehr als zehn Tagen im Monat
- Komplizierte Migräneformen wie die hemiplegische Migräne oder Migräne mit lang anhaltender Aura
Auch der individuelle Leidensdruck spielt eine wichtige Rolle. Selbst bei weniger häufigen Attacken kann eine Prophylaxe sinnvoll sein, wenn die Anfälle Beruf, Familie oder Freizeit erheblich beeinträchtigen. Die Entscheidung sollte stets gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt getroffen werden.
Nicht-medikamentöse Möglichkeiten der Migräneprophylaxe
Bevor oder ergänzend zu einer medikamentösen Dauertherapie kommen verschiedene nicht-medikamentöse Verfahren in Betracht. Diese können helfen, Migräne vorzubeugen, und werden in den aktuellen Leitlinien empfohlen.
Lebensstil und Verhaltensänderungen
- Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus: Sowohl Schlafmangel als auch zu langer Schlaf können Attacken auslösen
- Ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Mahlzeiten: Unterzuckerung und Dehydrierung gelten als Triggerfaktoren
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder autogenes Training
- Kopfschmerztagebuch: hilft, individuelle Auslöser zu erkennen und gezielt zu meiden
Bewegung und Ausdauersport
Regelmäßiger Ausdauersport – etwa Schwimmen, Radfahren oder Walken – kann nachweislich zur Reduktion der Migränehäufigkeit beitragen. Empfohlen werden zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche von je 30 bis 45 Minuten bei moderater Intensität.
Verhaltenstherapeutische Verfahren
Kognitive Verhaltenstherapie und Biofeedback haben sich in Studien als wirksam erwiesen. Sie unterstützen Betroffene dabei, mit Schmerz, Stress und auslösenden Faktoren besser umzugehen.
Akupunktur
Auch Akupunktur kann eine Rolle in der Migräneprophylaxe spielen. Studien deuten auf eine vergleichbare Wirksamkeit wie bei einigen medikamentösen Verfahren hin – allerdings ist die Studienlage uneinheitlich.
Medikamentöse Migräne-Dauertherapie
Reichen Lebensstilmaßnahmen nicht aus, kommt eine medikamentöse Migräne Dauertherapie in Frage. Die Auswahl richtet sich nach Begleiterkrankungen, Verträglichkeit und Lebenssituation.
Klassische Prophylaktika
Folgende Wirkstoffgruppen werden seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt:
- Betablocker (z. B. Metoprolol, Propranolol): besonders geeignet bei gleichzeitig bestehendem Bluthochdruck
- Kalziumkanalblocker (z. B. Flunarizin)
- Antikonvulsiva (z. B. Topiramat)
- Trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin): vor allem bei zusätzlichen Spannungskopfschmerzen oder Schlafstörungen
Diese Medikamente werden täglich eingenommen. Eine Wirkung tritt meist erst nach zwei bis drei Monaten ein, weshalb Geduld erforderlich ist. Die Behandlung sollte für mindestens sechs bis zwölf Monate fortgeführt werden, bevor ein Auslassversuch erfolgt.
Moderne Antikörpertherapien
In den vergangenen Jahren haben sogenannte CGRP-Antikörper die Behandlungsmöglichkeiten erweitert. Sie richten sich gegen den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), der bei Migräneattacken eine zentrale Rolle spielt. Verabreicht werden sie meist als monatliche oder vierteljährliche Injektion. Ein Einsatz wird in der Regel erwogen, wenn mehrere klassische Prophylaktika nicht ausreichend gewirkt haben oder nicht vertragen wurden.
Botulinumtoxin Typ A
Bei chronischer Migräne – also Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen pro Monat über mindestens drei Monate, davon mindestens acht mit Migräne-Charakter – kann eine Behandlung mit Botulinumtoxin Typ A in Frage kommen. Der Wirkstoff wird in einem standardisierten Schema in bestimmte Muskeln im Kopf- und Nackenbereich injiziert und alle drei Monate wiederholt. Studien zeigen, dass diese Therapie bei einem Teil der Patientinnen und Patienten die Zahl der Kopfschmerztage reduzieren kann.
Worauf bei einer Dauertherapie zu achten ist
Eine Migräneprophylaxe ist immer eine individuelle Entscheidung. Folgende Aspekte sollten mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden:
- Begleiterkrankungen: Manche Wirkstoffe sind bei bestimmten Vorerkrankungen besonders geeignet, andere weniger
- Mögliche Nebenwirkungen: dazu zählen je nach Substanz Müdigkeit, Gewichtsveränderungen, Konzentrationsstörungen oder Kreislaufbeschwerden
- Schwangerschaft und Stillzeit: erfordern eine besonders sorgfältige Auswahl
- Kontrollen: regelmäßige Wiedervorstellungen helfen, Wirkung und Verträglichkeit zu beurteilen
- Realistische Erwartungen: Ziel ist eine deutliche Reduktion – meist um etwa 50 Prozent –, nicht zwangsläufig völlige Beschwerdefreiheit
Sinnvoll ist die Führung eines Kopfschmerzkalenders, um den Verlauf objektiv beurteilen zu können. Stellt sich nach drei Monaten in adäquater Dosierung keine Besserung ein, kann ein Wechsel des Wirkstoffs erwogen werden.
Fazit
Wer regelmäßig unter belastenden Migräneattacken leidet, muss diese nicht einfach hinnehmen. Eine gut geplante Migräne Prophylaxe – bestehend aus einem individuell abgestimmten Mix aus Lebensstilmaßnahmen, Verhaltenstherapie und gegebenenfalls medikamentöser Dauertherapie – kann die Häufigkeit und Schwere der Anfälle deutlich verringern. Wichtig ist eine sorgfältige Diagnostik und eine kontinuierliche Begleitung durch eine fachkundige ärztliche Betreuung.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.


