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Migräne

Migräne erkennen: Typische Symptome und Abgrenzung zu Spannungskopfschmerzen

Pochender Schmerz, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit – ist das schon eine Migräne oder doch ein gewöhnlicher Kopfschmerz? Dieser Überblick hilft Ihnen, typische Anzeichen zu erkennen und Migräne von Spannungskopfschmerzen zu unterscheiden.

Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESA4 Min. Lesezeit
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Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden überhaupt. Doch nicht jeder Kopfschmerz ist gleich: Während Spannungskopfschmerzen meist als unangenehm, aber erträglich empfunden werden, kann eine Migräneattacke den Alltag für Stunden oder Tage erheblich einschränken. Wer die typischen Migräne Symptome kennt, kann Beschwerden besser einordnen und gezielter ärztlichen Rat einholen.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung, die in Anfällen verläuft. Sie betrifft in Österreich Schätzungen zufolge etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Charakteristisch sind wiederkehrende Kopfschmerzattacken, die häufig mit weiteren Symptomen wie Übelkeit, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit einhergehen.

Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden eine genetische Veranlagung, Veränderungen im Gleichgewicht bestimmter Botenstoffe (z. B. Serotonin) sowie eine vorübergehende Übererregbarkeit von Nervenzellen im Gehirn.

Typische Migräne-Symptome im Überblick

Die Beschwerden einer Migräne unterscheiden sich deutlich von einem gewöhnlichen Kopfschmerz. Zu den charakteristischen Merkmalen zählen:

  • Einseitiger Schmerz: Häufig betrifft der Schmerz nur eine Kopfhälfte, kann jedoch auch die Seite wechseln.
  • Pulsierender, pochender Charakter: Der Schmerz wird oft als hämmernd oder klopfend beschrieben.
  • Mittlere bis starke Intensität: Die Beschwerden behindern alltägliche Aktivitäten häufig deutlich.
  • Verstärkung durch Bewegung: Treppensteigen, Bücken oder körperliche Anstrengung verschlimmern den Schmerz typischerweise.
  • Begleitsymptome: Übelkeit, Erbrechen, ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber Licht (Photophobie), Lärm (Phonophobie) oder Gerüchen (Osmophobie).
  • Dauer: Eine unbehandelte Attacke dauert in der Regel zwischen 4 und 72 Stunden.

Die vier Phasen einer Migräneattacke

Viele Betroffene durchlaufen während einer Attacke mehrere Phasen, die jedoch nicht immer alle deutlich ausgeprägt sein müssen.

1. Vorbotenphase (Prodromalphase)

Bereits Stunden bis Tage vor dem eigentlichen Anfall können unspezifische Anzeichen auftreten:

  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder Niedergeschlagenheit
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit, Gähnen, Konzentrationsstörungen
  • Nackensteifigkeit

2. Aura-Phase

Etwa 15 bis 20 Prozent der Migränebetroffenen erleben eine sogenannte Aura. Sie tritt meist vor dem Kopfschmerz auf, dauert typischerweise 5 bis 60 Minuten und äußert sich vor allem durch:

  • Sehstörungen: Flimmern, Lichtblitze, Zickzacklinien oder vorübergehende Gesichtsfeldausfälle
  • Sensibilitätsstörungen: Kribbeln oder Taubheitsgefühl, häufig in Hand und Gesicht
  • Sprachstörungen: Wortfindungsprobleme

3. Kopfschmerzphase

In dieser Phase steht der typische einseitige, pulsierende Schmerz im Vordergrund, oft begleitet von Übelkeit und Reizempfindlichkeit. Viele Betroffene ziehen sich in einen abgedunkelten, ruhigen Raum zurück.

4. Rückbildungsphase (Postdromalphase)

Nach Abklingen der Schmerzen fühlen sich viele Betroffene noch über Stunden erschöpft, gereizt oder unkonzentriert – ähnlich wie nach einem grippalen Infekt.

Migräne oder Kopfschmerz? Die Abgrenzung zum Spannungskopfschmerz

Die Frage „Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp?" lässt sich anhand mehrerer Merkmale klären. Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Kopfschmerzform und unterscheiden sich in vielen Punkten deutlich von der Migräne.

Lokalisation und Schmerzcharakter

  • Migräne: meist einseitig, pulsierend, pochend
  • Spannungskopfschmerz: meist beidseitig, drückend oder ziehend, oft wie ein „enges Band" um den Kopf

Schmerzintensität

  • Migräne: mittel bis stark, häufig stark einschränkend
  • Spannungskopfschmerz: leicht bis mittel, Alltag meist möglich

Verhalten bei Bewegung

  • Migräne: Verschlimmerung durch körperliche Aktivität, Ruhebedürfnis
  • Spannungskopfschmerz: keine Verschlimmerung durch Bewegung, leichte Aktivität kann sogar lindernd wirken

Begleitsymptome

  • Migräne: Übelkeit, Erbrechen, ausgeprägte Licht- und Lärmempfindlichkeit, manchmal Aura
  • Spannungskopfschmerz: keine oder nur leichte Begleitsymptome, selten Übelkeit

Dauer und Häufigkeit

  • Migräne: 4 bis 72 Stunden pro Attacke, Anfälle in unregelmäßigen Abständen
  • Spannungskopfschmerz: 30 Minuten bis mehrere Tage, häufig auch chronisch über viele Tage im Monat

Mögliche Auslöser einer Migräne

Bestimmte Faktoren können eine Attacke begünstigen, sind aber individuell sehr unterschiedlich. Ein Kopfschmerz-Tagebuch kann helfen, persönliche Trigger zu identifizieren. Häufig genannt werden:

  • Stress oder die Phase der Entspannung danach („Wochenend-Migräne")
  • Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Hormonelle Schwankungen, etwa rund um die Menstruation
  • Wetterumschwünge
  • Bestimmte Lebensmittel und Getränke (z. B. Rotwein, gereifter Käse, Schokolade)
  • Auslassen von Mahlzeiten, Flüssigkeitsmangel
  • Flackerndes Licht, intensive Gerüche

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Migräne erkennen ist der erste Schritt zu einer gezielten Behandlung. Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere ratsam, wenn:

  • Kopfschmerzen erstmals in höherem Alter auftreten
  • Die Beschwerden an Häufigkeit oder Stärke deutlich zunehmen
  • Schmerzmittel an mehr als 10 Tagen pro Monat eingenommen werden
  • Neurologische Symptome wie Lähmungen, anhaltende Sehstörungen oder Sprachstörungen auftreten
  • Die Kopfschmerzen plötzlich und heftig wie ein „Vernichtungsschmerz" einsetzen

Letzteres kann auf eine ernsthafte Ursache hindeuten und sollte umgehend abgeklärt werden.

Was bei der Diagnose hilft

Die Diagnose einer Migräne erfolgt in erster Linie über ein ausführliches Gespräch und die Beschreibung der Beschwerden. Hilfreich ist ein Kopfschmerz-Tagebuch, in dem über mehrere Wochen festgehalten wird:

  • Häufigkeit, Dauer und Stärke der Anfälle
  • Art und Lage des Schmerzes
  • Begleitsymptome
  • Mögliche Auslöser
  • Eingenommene Medikamente und deren Wirkung

Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT sind nur in bestimmten Fällen erforderlich, etwa bei untypischem Verlauf oder neurologischen Auffälligkeiten.

Behandlungsmöglichkeiten im Überblick

Die Therapie der Migräne stützt sich auf zwei Säulen: die Akutbehandlung während eines Anfalls und die Prophylaxe zur Vorbeugung. Neben Medikamenten spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle, etwa Entspannungsverfahren, regelmäßiger Ausdauersport, Stressmanagement und ein geregelter Tagesrhythmus. Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, sollte gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden.

Fazit

Migräne ist mehr als „nur Kopfschmerz". Wer die typischen Symptome – einseitiger pulsierender Schmerz, Begleitsymptome wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit sowie der phasenhafte Verlauf – kennt, kann seine Beschwerden besser einordnen. Die Abgrenzung zum Spannungskopfschmerz ist im Alltag oft anhand von Schmerzcharakter, Intensität und Begleitsymptomen möglich. Bei häufigen oder stark belastenden Kopfschmerzen empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung, um eine passende Therapie zu finden.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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