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Migräne

Akuttherapie bei Migräne: Welche medikamentösen Optionen es gibt

Eine Migräneattacke kann den Alltag von einem Moment auf den anderen lahmlegen. Welche medikamentösen Möglichkeiten zur Linderung beitragen können und worauf bei der Einnahme zu achten ist, lesen Sie in diesem Überblick.

Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESA4 Min. Lesezeit
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Migräne – mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Typisch sind wiederkehrende Attacken mit pulsierenden, meist einseitigen Kopfschmerzen, die oft von Übelkeit, Erbrechen sowie einer ausgeprägten Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen oder Gerüchen begleitet werden. Bei manchen Betroffenen geht der Kopfschmerzphase eine sogenannte Aura voraus – etwa Sehstörungen oder Missempfindungen.

Eine wirksame Migräne Akuttherapie verfolgt das Ziel, die Beschwerden während einer Attacke möglichst rasch zu lindern und die Funktionsfähigkeit im Alltag wiederherzustellen. Welche Medikamente dafür in Frage kommen, hängt von der Schwere der Attacken, möglichen Begleiterkrankungen und dem individuellen Ansprechen ab.

Grundprinzipien der Migräne Akuttherapie

Bei der Migräne Behandlung im akuten Anfall gelten einige allgemeine Empfehlungen, die ärztliche Leitlinien betonen:

  • Frühzeitige Einnahme: Wirkstoffe wirken in der Regel besser, wenn sie zu Beginn der Schmerzphase eingenommen werden.
  • Ausreichende Dosierung: Eine zu niedrige Dosis kann die Wirksamkeit deutlich verringern.
  • Begleitsymptome mitbehandeln: Bei starker Übelkeit kann ein zusätzliches Mittel gegen Übelkeit (Antiemetikum) sinnvoll sein.
  • Einnahmehäufigkeit beachten: Werden Akutmedikamente an mehr als zehn Tagen pro Monat eingenommen, steigt das Risiko für einen sogenannten Medikamenten-Kopfschmerz. In diesem Fall sollte ärztlich eine Vorbeugung (Prophylaxe) besprochen werden.

Wirkstoffgruppen im Überblick

Die wichtigsten Migräne Medikamente für die Akutbehandlung lassen sich in mehrere Gruppen einteilen.

1. Klassische Schmerzmittel und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Bei leichten bis mittelschweren Attacken kommen oft frei verkäufliche Schmerzmittel zum Einsatz. Dazu zählen Wirkstoffe wie:

  • Ibuprofen
  • Acetylsalicylsäure (ASS)
  • Naproxen
  • Diclofenac
  • Paracetamol
  • Metamizol (verschreibungspflichtig)

Auch Kombinationspräparate aus ASS, Paracetamol und Koffein werden eingesetzt. Wichtig ist, die empfohlene Tageshöchstdosis nicht zu überschreiten. NSAR können bei längerer oder häufiger Anwendung Magen-Darm-Beschwerden, Nieren- oder Herz-Kreislauf-Probleme verursachen. Menschen mit Magengeschwüren, Nierenerkrankungen oder bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten vor der Einnahme ärztlich Rücksprache halten.

2. Triptane – speziell für Migräne entwickelt

Triptane sind verschreibungspflichtige Wirkstoffe, die gezielt für die Akuttherapie von Migräneattacken entwickelt wurden. Sie wirken über Serotonin-Rezeptoren und können sowohl die Kopfschmerzen als auch Begleitsymptome wie Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit lindern. Zu den verfügbaren Wirkstoffen zählen:

  • Sumatriptan
  • Zolmitriptan
  • Naratriptan
  • Rizatriptan
  • Almotriptan
  • Eletriptan
  • Frovatriptan

Triptane stehen in unterschiedlichen Darreichungsformen zur Verfügung – als Tablette, Schmelztablette, Nasenspray oder Fertigspritze. Bei starkem Erbrechen kann eine nicht-orale Form sinnvoll sein.

Triptane sind nicht für alle Patientinnen und Patienten geeignet. Bei bestimmten Vorerkrankungen wie koronarer Herzkrankheit, durchgemachtem Schlaganfall, schlecht eingestelltem Bluthochdruck oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit ist von der Einnahme abzuraten. Auch in der Schwangerschaft sollte der Einsatz ärztlich geprüft werden.

3. Mutterkornalkaloide (Ergotamine)

Ergotamine wie Ergotamintartrat wurden über Jahrzehnte zur Migräneakutbehandlung verwendet. Aufgrund ihres ungünstigeren Nebenwirkungsprofils und der Verfügbarkeit moderner Alternativen werden sie heute nur noch selten eingesetzt. In ausgewählten Fällen können sie ärztlich erwogen werden.

4. Gepante – eine neuere Wirkstoffgruppe

Sogenannte CGRP-Rezeptor-Antagonisten („Gepante") wie Rimegepant stellen eine neuere Option in der Akuttherapie dar. Sie blockieren das Neuropeptid CGRP, das bei der Entstehung von Migräneattacken eine Rolle spielt. In Österreich ist die Verfügbarkeit und Erstattung im Wandel – ob diese Wirkstoffe für Sie in Frage kommen, kann am besten ärztlich beurteilt werden.

5. Ditane

Mit Lasmiditan steht ein weiterer neuerer Wirkstoff zur Verfügung, der gezielt an einem bestimmten Serotonin-Rezeptor wirkt, ohne die Blutgefäße zu verengen. Er kann insbesondere für Personen interessant sein, bei denen Triptane aufgrund von Herz-Kreislauf-Risiken nicht eingesetzt werden sollen. Auch hier ist die Verschreibung ärztlich zu prüfen.

6. Mittel gegen Übelkeit (Antiemetika)

Übelkeit und Erbrechen gehören zu den belastendsten Migränesymptomen und können zudem die Aufnahme von Tabletten erschweren. Wirkstoffe wie Metoclopramid oder Domperidon können die Beschwerden lindern und unterstützen die Wirkung anderer Akutmedikamente. Sie werden in der Regel etwa 15 bis 30 Minuten vor dem eigentlichen Schmerzmittel eingenommen.

Welche Therapie für wen?

Die Auswahl des passenden Wirkstoffs ist individuell. Folgende Aspekte werden bei der ärztlichen Beratung berücksichtigt:

  • Stärke und Dauer der Attacken
  • Vorhandensein von Übelkeit oder Erbrechen
  • Vorerkrankungen (z. B. Herz-Kreislauf, Magen-Darm, Nieren)
  • Alter und Schwangerschaft
  • Bisherige Erfahrungen mit Schmerzmitteln
  • Häufigkeit der Attacken pro Monat

Bei häufigen oder besonders schweren Attacken kann zusätzlich zur Akuttherapie eine medikamentöse Vorbeugung (Migräneprophylaxe) sinnvoll sein. Auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Entspannungsverfahren, Ausdauersport, Schlafhygiene und das Erkennen individueller Auslöser ergänzen etablierte Therapien.

Was Sie selbst beachten können

  • Kopfschmerztagebuch führen: Notieren Sie Häufigkeit, Dauer, Begleitsymptome und eingenommene Medikamente. Das erleichtert die ärztliche Einschätzung.
  • Rückzug in einen ruhigen, abgedunkelten Raum: Reizarmut wird von vielen Betroffenen als wohltuend empfunden.
  • Ausreichend trinken: Flüssigkeitsmangel kann Attacken begünstigen.
  • Regelmäßiger Tagesrhythmus: Schlaf und Mahlzeiten zu festen Zeiten können stabilisierend wirken.
  • Frühzeitig handeln: Beginnen Sie mit der Akutmedikation, sobald die Schmerzphase einsetzt.

Wann ärztlicher Rat besonders wichtig ist

Suchen Sie zeitnah ärztliche Hilfe, wenn:

  • die Attacken häufiger oder stärker werden,
  • Akutmedikamente an mehr als zehn Tagen pro Monat nötig sind,
  • der Kopfschmerz plötzlich, ungewöhnlich heftig oder anders als gewohnt auftritt,
  • neurologische Symptome wie Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen erstmals oder ungewöhnlich auftreten,
  • Sie schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen.

Eine sorgfältige Diagnostik hilft, Migräne von anderen Kopfschmerzformen abzugrenzen und die für Sie passende Strategie zu finden.

Fazit

Die Migräne Akuttherapie stützt sich auf bewährte Wirkstoffgruppen wie NSAR und Triptane sowie auf neuere Optionen wie Gepante und Ditane. Ergänzt durch Antiemetika und nicht-medikamentöse Maßnahmen lassen sich die Beschwerden bei vielen Betroffenen deutlich lindern. Die Auswahl des passenden Medikaments sollte stets ärztlich begleitet werden – insbesondere, um Wechselwirkungen, Vorerkrankungen und das Risiko eines Medikamenten-Kopfschmerzes im Blick zu behalten.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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