Portrait Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESADr. Pehböck

Ernährungsmedizin

Metabolisches Syndrom: Wenn mehrere Risikofaktoren zusammentreffen

Bauchumfang, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette – treffen mehrere ungünstige Werte zusammen, sprechen Ärzt:innen vom metabolischen Syndrom. Wer die Zusammenhänge kennt, kann frühzeitig gegensteuern und sein langfristiges Gesundheitsrisiko deutlich senken.

Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESA4 Min. Lesezeit
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## Was ist das metabolische Syndrom? Das metabolische Syndrom ist keine eigenständige Erkrankung, sondern eine Kombination mehrerer Stoffwechsel- und Kreislaufstörungen, die gemeinsam auftreten. Charakteristisch ist das Zusammenspiel aus vermehrtem Bauchfett, erhöhtem Blutdruck, gestörtem Zuckerstoffwechsel und ungünstigen Blutfettwerten. Diese Faktoren verstärken sich gegenseitig und können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes erheblich steigern. In Österreich ist das metabolische Syndrom weit verbreitet: Schätzungen zufolge ist etwa jede:r fünfte bis vierte Erwachsene betroffen, mit zunehmender Tendenz im höheren Lebensalter. Da die einzelnen Veränderungen oft schleichend verlaufen und keine spürbaren Beschwerden verursachen, bleibt das Syndrom häufig lange unentdeckt. ## Metabolisches Syndrom: Kriterien für die Diagnose Für die Diagnose existieren mehrere Definitionen. International gebräuchlich sind die Kriterien der International Diabetes Federation (IDF). Demnach liegt ein metabolisches Syndrom vor, wenn ein erhöhter Bauchumfang besteht **und** zusätzlich mindestens zwei weitere Risikofaktoren vorliegen. ### Zentrales Kriterium: Bauchumfang - Frauen: ab 80 cm erhöht - Männer: ab 94 cm erhöht Der Bauchumfang gilt als Hinweis auf das sogenannte viszerale Fett, das sich um die inneren Organe ansammelt und stoffwechselaktiv ist. ### Weitere Kriterien - **Erhöhte Triglyzeride**: ≥ 150 mg/dl oder bereits behandelte Fettstoffwechselstörung - **Niedriges HDL-Cholesterin**: < 50 mg/dl bei Frauen, < 40 mg/dl bei Männern - **Erhöhter Blutdruck**: systolisch ≥ 130 mmHg oder diastolisch ≥ 85 mmHg bzw. bestehende antihypertensive Therapie - **Erhöhter Nüchternblutzucker**: ≥ 100 mg/dl oder ein bereits diagnostizierter Typ-2-Diabetes Werden diese Werte überschritten, sprechen Ärzt:innen von einem ungünstigen Risikoprofil, das eine genauere Abklärung sinnvoll macht. ## Wie entstehen die Risikofaktoren im Stoffwechsel? Im Zentrum steht häufig die sogenannte Insulinresistenz: Die Körperzellen reagieren weniger empfindlich auf das Hormon Insulin, das den Blutzucker in die Zellen schleust. Die Bauchspeicheldrüse produziert zum Ausgleich mehr Insulin, was langfristig den Zuckerstoffwechsel, die Blutfette und den Blutdruck negativ beeinflussen kann. Begünstigende Faktoren sind: - bewegungsarmer Alltag - energiereiche Ernährung mit viel Zucker, Weißmehl und gesättigten Fetten - Übergewicht, insbesondere im Bauchbereich - chronischer Stress und Schlafmangel - genetische Veranlagung - höheres Lebensalter Auch hormonelle Veränderungen, etwa nach den Wechseljahren, können das Risikoprofil beeinflussen. ## Welche Folgen drohen unbehandelt? Bleiben die Risikofaktoren über Jahre unbehandelt, können sie Gefäße, Herz und Stoffwechsel nachhaltig belasten. Mögliche Folgeerkrankungen sind unter anderem: - **Typ-2-Diabetes**: Die andauernde Insulinresistenz kann in einen manifesten Diabetes mellitus übergehen. - **Arteriosklerose**: Ablagerungen in den Gefäßen können Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen. - **Koronare Herzkrankheit** mit Brustenge (Angina pectoris) - **Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung**, die in seltenen Fällen in eine Leberentzündung oder -vernarbung übergehen kann - **Nierenfunktionsstörungen** - erhöhtes Risiko für bestimmte **Krebserkrankungen** sowie für Schlafapnoe Wichtig: Diese Folgen entwickeln sich meist über viele Jahre. Frühzeitiges Erkennen und konsequente Maßnahmen können das individuelle Risiko deutlich verringern. ## Diagnose: Welche Untersuchungen sinnvoll sind In der ärztlichen Praxis werden zur Abklärung typischerweise folgende Schritte durchgeführt: - ausführliches Gespräch zu Lebensstil, familiärer Vorbelastung und Beschwerden - Messung von Körpergewicht, Größe, BMI und Bauchumfang - mehrfache Blutdruckmessung - Laboruntersuchungen: Nüchternblutzucker, ggf. HbA1c, Cholesterin (gesamt, LDL, HDL), Triglyzeride, Leber- und Nierenwerte - bei Bedarf weiterführende Untersuchungen wie ein oraler Glukosetoleranztest, EKG oder Ultraschall Auf Basis dieser Befunde lässt sich das individuelle Risikoprofil einschätzen und ein passender Behandlungsplan besprechen. ## Diabetes vorbeugen und Risiken senken: Was hilft? Die gute Nachricht: Das metabolische Syndrom ist in vielen Fällen durch Veränderungen des Lebensstils günstig zu beeinflussen. Studien zeigen, dass bereits moderate Gewichtsabnahme und mehr Bewegung den Übergang in einen Typ-2-Diabetes verzögern oder verhindern können. ### Ernährung - Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse und hochwertige Öle (mediterraner Stil) - Reduktion von Zucker, zuckerhaltigen Getränken und stark verarbeiteten Produkten - maßvoller Konsum von rotem Fleisch und Wurstwaren - ausreichende Trinkmenge, vorzugsweise Wasser oder ungesüßter Tee - bewusster Umgang mit Alkohol ### Bewegung - mindestens 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche, etwa zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen - ergänzend zwei Einheiten Kraft- bzw. Muskeltraining - Alltagsbewegung erhöhen: Treppen statt Lift, kurze Wege zu Fuß ### Gewicht - Schon eine Gewichtsabnahme von 5 bis 10 Prozent kann Blutdruck, Blutzucker und Blutfette spürbar verbessern. - Realistische, dauerhaft umsetzbare Schritte sind erfolgreicher als kurzfristige Diäten. ### Weitere Maßnahmen - Rauchstopp - ausreichend Schlaf (7–8 Stunden) und Strategien zur Stressbewältigung - regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, um Werte im Blick zu behalten ### Medikamentöse Therapie Reichen Lebensstilmaßnahmen allein nicht aus, kann eine medikamentöse Behandlung einzelner Risikofaktoren – etwa des Blutdrucks, der Blutfette oder des Blutzuckers – sinnvoll sein. Welche Therapie geeignet ist, entscheidet die behandelnde Ärztin bzw. der behandelnde Arzt individuell. ## Wann ärztlichen Rat einholen? Eine ärztliche Abklärung ist insbesondere ratsam bei: - deutlich erhöhtem Bauchumfang - bekanntem Bluthochdruck oder familiärer Vorbelastung mit Diabetes oder Herzinfarkt - auffälligen Werten bei einer Vorsorgeuntersuchung - unspezifischen Beschwerden wie häufiger Müdigkeit, vermehrtem Durst oder Leistungsabfall Eine frühzeitige Standortbestimmung hilft, individuelle Risiken einzuschätzen und gemeinsam einen Plan zur nachhaltigen Verbesserung zu entwickeln. ## Fazit Das metabolische Syndrom entsteht selten plötzlich, sondern als Ergebnis vieler kleiner Faktoren über Jahre. Wer die Kriterien kennt, seine Werte regelmäßig kontrollieren lässt und schrittweise an Ernährung, Bewegung und Gewicht arbeitet, kann sein Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken. Jede Veränderung in die richtige Richtung zählt. --- *Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.*

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