Warum Impfungen auch für Erwachsene wichtig sind
Viele Menschen verbinden Impfungen vor allem mit der Kindheit. Tatsächlich endet der notwendige Impfschutz aber nicht mit dem Erwachsenwerden: Der Schutz mancher Impfungen lässt mit der Zeit nach, neue Risiken kommen hinzu (etwa durch Reisen oder den Beruf), und mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für bestimmte Infektionskrankheiten. Das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz veröffentlicht jährlich einen aktualisierten Impfplan Österreich für Erwachsene, der konkrete Empfehlungen für Auffrischungen und Nachholimpfungen enthält.
Eine regelmäßig aufgefrischte Grundimmunisierung kann dazu beitragen, schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden und gefährdete Personen im Umfeld – etwa Säuglinge, ältere Menschen oder chronisch Kranke – mitzuschützen.
Der österreichische Impfplan für Erwachsene im Überblick
Der Impfplan unterscheidet zwischen allgemein empfohlenen Impfungen für alle Erwachsenen, Indikationsimpfungen für bestimmte Risikogruppen sowie Reise- und beruflichen Impfungen. Im Folgenden ein Überblick über die wichtigsten Auffrischungen.
Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio (Vierfachimpfung)
Diese Kombinationsimpfung gehört zu den zentralen Auffrischungen im Erwachsenenalter:
- Bis zum 60. Lebensjahr: Auffrischung alle 10 Jahre empfohlen.
- Ab dem 60. Lebensjahr: Auffrischung alle 5 Jahre, da das Immunsystem im Alter weniger robust auf Auffrischungen reagiert.
- Pertussis (Keuchhusten): Eine Auffrischung wird insbesondere für Personen empfohlen, die engen Kontakt zu Säuglingen haben (z. B. Eltern, Großeltern, medizinisches Personal). Auch in der Schwangerschaft ist eine Pertussis-Impfung vorgesehen.
Tetanus (Wundstarrkrampf) und Diphtherie können auch heute noch lebensbedrohlich verlaufen. Polio (Kinderlähmung) gilt in Europa zwar als nahezu ausgerottet, ist aber in einigen Regionen weltweit weiterhin präsent – ein durchgehender Schutz bleibt daher sinnvoll.
FSME-Impfung: Schutz vor Frühsommer-Meningoenzephalitis
Österreich gilt als FSME-Risikogebiet. Die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis kann das zentrale Nervensystem schwer schädigen. Eine FSME Impfung wird daher allen Personen empfohlen, die sich im Freien aufhalten – also faktisch der gesamten Bevölkerung.
- Grundimmunisierung: drei Teilimpfungen.
- Erste Auffrischung: nach 3 Jahren.
- Weitere Auffrischungen: alle 5 Jahre bis zum 60. Lebensjahr, danach alle 3 Jahre.
Wer den empfohlenen Auffrischungstermin verpasst hat, sollte den Impfschutz möglichst zeitnah ergänzen lassen. In vielen Fällen genügt eine einzelne Auffrischungsdosis, um den Schutz wiederherzustellen.
Influenza (Grippe)
Die saisonale Grippeimpfung wird jährlich empfohlen, da sich die zirkulierenden Virusstämme verändern. Besonders profitieren können:
- Personen ab 60 Jahren
- Schwangere
- Menschen mit chronischen Erkrankungen (Herz, Lunge, Diabetes etc.)
- Beschäftigte im Gesundheitswesen
- Personen mit häufigem Kontakt zu Risikogruppen
Die Impfung erfolgt idealerweise im Herbst, vor Beginn der Grippesaison.
Pneumokokken
Pneumokokken können Lungenentzündungen, Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen verursachen. Empfohlen wird die Impfung insbesondere:
- Ab dem 60. Lebensjahr als Standardimpfung
- Für Personen mit bestimmten Vorerkrankungen (z. B. chronische Lungen- oder Herzleiden, Immunschwäche)
Je nach verwendetem Impfstoff sind Auffrischungen oder kombinierte Impfschemata vorgesehen – die genaue Vorgehensweise sollte ärztlich abgeklärt werden.
Herpes Zoster (Gürtelrose)
Eine Gürtelrose entsteht durch die Reaktivierung des Windpocken-Virus und kann sehr schmerzhaft verlaufen. Eine Impfung wird empfohlen:
- Allen Personen ab 50 Jahren
- Risikopatientinnen und -patienten ab 18 Jahren
Üblicherweise sind zwei Teilimpfungen im Abstand von einigen Monaten vorgesehen.
Masern, Mumps, Röteln (MMR)
Auch im Erwachsenenalter ist ein vollständiger MMR-Schutz wichtig. Empfohlen werden zwei dokumentierte Impfungen im Leben. Wer unsicher ist oder nur eine Impfung erhalten hat, sollte die zweite Dosis nachholen – das ist in jedem Lebensalter möglich.
HPV (Humane Papillomviren)
Die HPV-Impfung wird primär im Kindes- und Jugendalter empfohlen, kann aber auch im Erwachsenenalter sinnvoll sein. Sie kann zur Vorbeugung bestimmter Krebserkrankungen (z. B. Gebärmutterhals-, Anal- oder Mund-Rachen-Krebs) beitragen.
COVID-19
Die Empfehlungen zu COVID-19-Auffrischungen werden regelmäßig an die epidemiologische Lage angepasst. Aktuelle Informationen finden sich im jeweils gültigen Impfplan Österreich oder bei der behandelnden Ärztin bzw. dem behandelnden Arzt.
Reise- und Indikationsimpfungen
Je nach Reiseziel oder beruflicher Tätigkeit können zusätzliche Impfungen sinnvoll sein, etwa gegen:
- Hepatitis A und B
- Typhus
- Gelbfieber
- Tollwut
- Meningokokken
- Japanische Enzephalitis
Eine reisemedizinische Beratung sollte idealerweise mehrere Wochen vor Reiseantritt erfolgen, da manche Impfungen mehrere Teilimpfungen benötigen.
So behalten Sie den Überblick über Ihren Impfschutz
Damit keine Auffrischungsimpfung vergessen wird, sind folgende Schritte hilfreich:
- Impfpass aktuell halten: Lassen Sie jede Impfung dokumentieren – am besten zusätzlich im elektronischen Impfpass (e-Impfpass).
- Regelmäßige Kontrolle: Etwa alle ein bis zwei Jahre den Impfstatus überprüfen lassen, beispielsweise im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung.
- Persönliche Risikofaktoren berücksichtigen: Alter, Beruf, chronische Erkrankungen, Schwangerschaft oder geplante Reisen können den Bedarf an zusätzlichen Impfungen beeinflussen.
- Nachholen ist möglich: Versäumte Impfungen müssen meist nicht komplett neu begonnen werden – oft genügt eine Auffrischung. „Jede Impfung zählt“ ist ein Grundsatz des Impfplans.
Mögliche Nebenwirkungen
Wie alle Arzneimittel können auch Impfstoffe Nebenwirkungen verursachen. Häufig sind lokale Reaktionen an der Einstichstelle (Rötung, Schwellung, Schmerz) sowie kurzzeitig leichtes Krankheitsgefühl, Müdigkeit oder Fieber. Diese Reaktionen klingen in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst ab. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind selten. Im Zweifel sollte stets ärztlicher Rat eingeholt werden.
Fazit
Ein lückenloser Impfschutz im Erwachsenenalter trägt wesentlich zur individuellen Gesundheit und zum Schutz der Gemeinschaft bei. Der jährlich aktualisierte Impfplan Österreich Erwachsene bietet eine fundierte Orientierung für notwendige Auffrischungen – von Tetanus über FSME bis hin zur Grippeimpfung. Wer seinen Impfpass regelmäßig kontrollieren lässt, kann gezielt vorbeugen und vermeidbare Erkrankungen reduzieren.
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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.


