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Ernährungsmedizin

Ernährung bei Hashimoto-Thyreoiditis: Was wissenschaftlich belegt ist

Bei einer chronischen Schilddrüsenentzündung stellt sich vielen Betroffenen die Frage, ob die richtige Ernährung den Verlauf günstig beeinflussen kann. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die Studienlage zu Selen, Jod, Gluten und weiteren Faktoren tatsächlich hergibt.

Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESA4 Min. Lesezeit
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Hashimoto-Thyreoiditis: Eine kurze Einordnung

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen und betrifft vor allem Frauen. Dabei richten sich Antikörper gegen das eigene Schilddrüsengewebe, was im Verlauf häufig zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) führt. Symptome wie Müdigkeit, Gewichtszunahme, Konzentrationsstörungen oder Kälteempfindlichkeit sind typisch, aber unspezifisch.

Die medizinische Basistherapie besteht in der Regel aus der Substitution mit Schilddrüsenhormonen (Levothyroxin), wenn die Schilddrüsenwerte dies erfordern. Daneben rückt zunehmend die Frage in den Fokus, welche Rolle die Ernährung spielen kann. Im Folgenden ein Überblick zum aktuellen Wissensstand zum Thema Hashimoto Ernährung.

Selen: Der am besten untersuchte Mikronährstoff

Warum Selen relevant ist

Die Schilddrüse weist die höchste Selenkonzentration aller Organe im Körper auf. Selen ist Bestandteil mehrerer Enzyme, die unter anderem an der Umwandlung der Schilddrüsenhormone und am Schutz vor oxidativem Stress beteiligt sind.

Was die Studien zeigen

Mehrere Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine Supplementierung mit Selen (häufig in Form von Natriumselenit, meist 100–200 µg täglich) die Konzentration von Schilddrüsenautoantikörpern (TPO-Antikörper) senken kann. Die Ergebnisse sind jedoch heterogen: Eine Verbesserung der eigentlichen Schilddrüsenfunktion oder der Lebensqualität ließ sich nicht in allen Studien eindeutig nachweisen.

Wichtig zu wissen:

  • Eine Selen-Supplementierung sollte nur nach Bestimmung des Selenstatus und in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt erfolgen.
  • Eine dauerhafte Überdosierung kann gesundheitliche Risiken bergen (z. B. erhöhtes Diabetes-Risiko, Selenose).
  • Der Zusammenhang von Selen Hashimoto ist also kein Heilversprechen, sondern ein gut begründeter, aber individuell zu prüfender Therapieansatz.

Selenreiche Lebensmittel sind unter anderem Paranüsse, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.

Jod: Weniger ist nicht automatisch besser – aber Vorsicht ist geboten

Jod ist Grundbaustein der Schilddrüsenhormone. Bei Hashimoto wird die Jodzufuhr kontrovers diskutiert:

  • Hohe Joddosen (z. B. aus Nahrungsergänzungsmitteln, Algenpräparaten oder jodhaltigen Kontrastmitteln) können bei vorbestehender Autoimmunthyreoiditis den Krankheitsverlauf ungünstig beeinflussen.
  • Eine ausgewogene, normale Jodzufuhr über die Ernährung (etwa durch jodiertes Speisesalz, Milchprodukte und Seefisch) gilt nach derzeitigem Stand als unbedenklich und ist für die allgemeine Schilddrüsengesundheit notwendig.

Eine pauschale „jodarme Diät" wird in den aktuellen Leitlinien nicht empfohlen. Hochdosierte Jodpräparate sollten Betroffene jedoch meiden, sofern sie nicht ausdrücklich ärztlich verordnet wurden.

Gluten und Zöliakie: Differenzierte Betrachtung notwendig

Im Internet kursiert vielfach die Empfehlung, bei Hashimoto generell auf Gluten zu verzichten. Wissenschaftlich belegt ist Folgendes:

  • Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis haben ein leicht erhöhtes Risiko, gleichzeitig an einer Zöliakie zu erkranken. Bei entsprechenden Hinweisen ist eine Abklärung sinnvoll.
  • Liegt eine Zöliakie vor, ist eine konsequent glutenfreie Ernährung medizinisch zwingend.
  • Für Betroffene ohne Zöliakie ist die Studienlage zu einer glutenfreien Diät bei Hashimoto begrenzt. Einzelne kleinere Studien deuten auf eine mögliche Senkung der Antikörper hin, ein klarer klinischer Nutzen ist jedoch nicht ausreichend belegt.

Ein pauschaler Glutenverzicht ohne medizinische Indikation wird daher von den meisten Fachgesellschaften derzeit nicht empfohlen.

Weitere diskutierte Nährstoffe

Vitamin D

Ein Vitamin-D-Mangel ist bei Patientinnen und Patienten mit Hashimoto häufig. Ob ein Ausgleich des Mangels den Krankheitsverlauf positiv beeinflusst, ist Gegenstand laufender Forschung. Eine Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels und gegebenenfalls eine gezielte Supplementierung sind sinnvoll.

Eisen, Zink und Vitamin B12

Diese Mikronährstoffe sind ebenfalls für die Schilddrüsenfunktion relevant. Ein Mangel kann Symptome wie Müdigkeit verstärken und sollte gegebenenfalls behandelt werden.

Sojaprodukte

Soja kann in größeren Mengen die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen aus Tabletten beeinträchtigen. Wer Schilddrüsenmedikamente einnimmt, sollte einen zeitlichen Abstand zur Mahlzeit einhalten.

Ernährungsmuster: Was lässt sich allgemein empfehlen?

In der Schilddrüse Ernährungsmedizin rückt zunehmend nicht der einzelne Nährstoff, sondern das Gesamtbild der Ernährung in den Fokus. Eine entzündungsarme, mediterrane Kost mit folgenden Bausteinen scheint günstig:

  • viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte
  • regelmäßig Fisch (insbesondere Omega-3-reiche Sorten)
  • hochwertige pflanzliche Öle wie Olivenöl
  • Nüsse und Samen in moderater Menge
  • wenig stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und gehärtete Fette

Solche Ernährungsmuster können dazu beitragen, allgemeine Entzündungsprozesse im Körper zu reduzieren und das Wohlbefinden zu unterstützen – einen direkten Heileffekt auf die Autoimmunerkrankung beweisen sie jedoch nicht.

Wann ist eine fundierte ernährungsmedizinische Beratung sinnvoll?

Eine individuelle Beratung kann besonders hilfreich sein, wenn:

  • die Beschwerden trotz adäquater Hormoneinstellung fortbestehen,
  • Begleiterkrankungen wie Zöliakie, Diabetes oder Übergewicht vorliegen,
  • konkrete Mikronährstoffmängel festgestellt wurden,
  • Unsicherheit bezüglich Nahrungsergänzungsmitteln besteht.

In einer ernährungsmedizinischen Beratung werden Laborwerte, Beschwerden, Lebensstil und individuelle Vorlieben gemeinsam betrachtet. Pauschalrezepte aus dem Internet werden so durch eine an die persönliche Situation angepasste Strategie ersetzt.

Fazit

Die wissenschaftliche Datenlage zur Ernährung bei Hashimoto ist differenzierter, als viele populäre Ratgeber vermuten lassen. Eine ausgewogene, mediterran geprägte Kost, ein bedachter Umgang mit Jod, die Abklärung möglicher Mikronährstoffmängel und – bei entsprechender Indikation – eine gezielte Selen-Supplementierung gehören zu den am besten begründeten Empfehlungen. Pauschale Verzichtsdiäten wie eine grundsätzliche glutenfreie Ernährung sind dagegen nur bei nachgewiesener medizinischer Notwendigkeit angezeigt.

Wer den Verdacht hat, dass die Ernährung das eigene Wohlbefinden beeinflusst, ist mit einer fundierten ärztlichen und ernährungsmedizinischen Begleitung am besten beraten.

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Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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