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Cholesterinwerte richtig einordnen: LDL, HDL und Gesamtcholesterin

Cholesterin ist lebenswichtig – doch zu hohe Werte gelten als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieser Leitfaden hilft Ihnen, Ihre Laborwerte besser zu verstehen und einzuordnen.

Dr. med. univ. Daniel Pehböck, DESA4 Min. Lesezeit
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Warum Cholesterin nicht gleich Cholesterin ist

Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die der Körper für viele lebenswichtige Aufgaben benötigt: Es ist Bestandteil jeder Zellmembran, Ausgangsstoff für Hormone wie Östrogen, Testosteron oder Cortisol und unverzichtbar für die Bildung von Vitamin D sowie Gallensäuren. Rund drei Viertel des Cholesterins stellt der Körper – vor allem die Leber – selbst her. Nur ein kleinerer Teil wird über die Nahrung aufgenommen.

Da Cholesterin nicht wasserlöslich ist, wird es im Blut an Eiweiße gebunden transportiert. Diese Transportpartikel nennt man Lipoproteine. Je nach Dichte und Funktion unterscheidet man verschiedene Formen – die bekanntesten sind LDL und HDL. Wer seine Cholesterinwerte verstehen möchte, kommt an diesen beiden Begriffen nicht vorbei.

LDL HDL Unterschied: Die wichtigsten Cholesterinformen

LDL-Cholesterin – das „ungünstige" Cholesterin

LDL steht für Low Density Lipoprotein („Lipoprotein niedriger Dichte"). Es transportiert Cholesterin von der Leber zu den Körperzellen. Liegt zu viel LDL im Blut vor, kann sich überschüssiges Cholesterin in den Gefäßwänden ablagern. Mit der Zeit entstehen sogenannte Plaques, die Arterien verengen können – ein Prozess, der als Arteriosklerose bezeichnet wird. Erhöhte LDL-Werte gelten daher als wesentlicher Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall.

HDL-Cholesterin – das „günstige" Cholesterin

HDL bedeutet High Density Lipoprotein („Lipoprotein hoher Dichte"). HDL übernimmt eine gegenläufige Aufgabe: Es nimmt überschüssiges Cholesterin aus dem Gewebe und den Gefäßwänden auf und transportiert es zurück zur Leber, wo es abgebaut wird. Höhere HDL-Werte werden mit einem geringeren Risiko für Gefäßverkalkung in Verbindung gebracht.

Der LDL HDL Unterschied lässt sich also vereinfacht so zusammenfassen: LDL bringt Cholesterin in die Gefäße, HDL trägt es wieder ab. Für die Risikobewertung ist nicht nur jeder Einzelwert wichtig, sondern auch das Verhältnis zueinander.

Gesamtcholesterin und Triglyzeride

Das Gesamtcholesterin umfasst LDL, HDL sowie weitere Lipoproteine. Es liefert einen ersten Überblick, sagt allein jedoch wenig über das individuelle Risiko aus. Ergänzend werden meist die Triglyzeride bestimmt – Blutfette, die bei erhöhten Werten ebenfalls mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden sein können.

Welche Cholesterinwerte gelten als wünschenswert?

Die Zielwerte für Cholesterin sind keine starren Grenzen, sondern hängen vom individuellen Risikoprofil ab. Berücksichtigt werden unter anderem Alter, Geschlecht, Blutdruck, Rauchverhalten, Diabetes sowie eine familiäre Vorbelastung.

Als allgemeine Orientierung für Erwachsene ohne besondere Risikofaktoren gelten häufig folgende Richtwerte:

  • Gesamtcholesterin: unter 200 mg/dl
  • LDL-Cholesterin: unter 116 mg/dl (bei erhöhtem Risiko niedriger)
  • HDL-Cholesterin: Frauen über 45 mg/dl, Männer über 40 mg/dl
  • Triglyzeride: unter 150 mg/dl

Bei Personen mit bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung, Diabetes mellitus oder familiärer Hypercholesterinämie können deutlich strengere Zielwerte sinnvoll sein. Die individuelle Einordnung sollte stets durch eine Ärztin oder einen Arzt erfolgen.

Was beeinflusst die Cholesterinwerte?

Die Höhe der Cholesterinwerte ist das Ergebnis verschiedener Faktoren – manche lassen sich beeinflussen, andere nicht.

Nicht beeinflussbare Faktoren

  • Genetische Veranlagung (z. B. familiäre Hypercholesterinämie)
  • Alter und Geschlecht
  • Hormonelle Veränderungen, etwa nach den Wechseljahren

Beeinflussbare Faktoren

  • Ernährung
  • Körperliche Aktivität
  • Körpergewicht
  • Rauchen
  • Alkoholkonsum
  • Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion

Cholesterin senken: Was kann der Lebensstil leisten?

Wer seine Cholesterin senken möchte, kann mit Anpassungen im Alltag häufig einen spürbaren Beitrag leisten. Die folgenden Maßnahmen sind wissenschaftlich gut untersucht und gehören zu den Grundpfeilern jeder Therapie – auch dann, wenn zusätzlich Medikamente eingesetzt werden.

Ernährung anpassen

  • Gesättigte Fette reduzieren: etwa fettes Fleisch, Wurst, Butter, Schmalz und fettreiche Milchprodukte.
  • Ungesättigte Fette bevorzugen: Oliven-, Raps- und Leinöl, Nüsse, Avocado.
  • Omega-3-Fettsäuren einbauen: fetter Seefisch wie Lachs, Makrele oder Hering, idealerweise ein- bis zweimal pro Woche.
  • Ballaststoffe erhöhen: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Haferflocken, Obst und Gemüse.
  • Transfette meiden: häufig in frittierten Speisen, Fertigbackwaren und industriell verarbeiteten Snacks enthalten.
  • Zucker und stark verarbeitete Kohlenhydrate begrenzen, da sie auch die Triglyzeride beeinflussen können.

Eine mediterran geprägte Ernährung mit viel pflanzlicher Kost, hochwertigen Ölen und Fisch hat sich in vielen Studien als günstig für die Blutfettwerte erwiesen.

Bewegung in den Alltag integrieren

Regelmäßige körperliche Aktivität kann dazu beitragen, das HDL-Cholesterin zu erhöhen und die Triglyzeride zu senken. Empfohlen werden in der Regel mindestens 150 Minuten moderate Ausdauerbewegung pro Woche – etwa zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking. Ergänzend ist Krafttraining sinnvoll.

Weitere Lebensstilfaktoren

  • Rauchstopp: senkt nicht nur das Herz-Kreislauf-Risiko, sondern kann sich auch günstig auf das HDL auswirken.
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht: Bereits eine moderate Abnahme kann die Blutfettwerte verbessern.
  • Alkohol nur in Maßen konsumieren.
  • Stress reduzieren und auf ausreichend Schlaf achten.

Wann reicht der Lebensstil nicht aus?

Bei manchen Menschen – insbesondere bei familiärer Hypercholesterinämie oder hohem Gesamtrisiko – lassen sich die Zielwerte allein durch Lebensstilmaßnahmen nicht erreichen. In diesen Fällen kann eine medikamentöse Therapie sinnvoll sein. Zur Verfügung stehen verschiedene Wirkstoffgruppen, etwa Statine, Cholesterinaufnahmehemmer oder neuere Wirkstoffe, die gezielt in den Cholesterinstoffwechsel eingreifen. Die Auswahl, Dosierung und Kontrolle erfolgt immer ärztlich.

Wie oft sollten die Werte kontrolliert werden?

Eine erste Bestimmung der Blutfette wird im Erwachsenenalter sinnvollerweise im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung durchgeführt. Wie häufig anschließend kontrolliert wird, hängt vom individuellen Risiko ab:

  • bei unauffälligen Werten und niedrigem Risiko: in der Regel alle paar Jahre
  • bei erhöhten Werten oder Risikofaktoren: häufiger, nach ärztlicher Empfehlung
  • unter laufender Therapie: in regelmäßigen, ärztlich festgelegten Abständen

Fazit

Cholesterin ist ein notwendiger Baustein des Körpers – problematisch wird es erst bei einem ungünstigen Verhältnis von LDL und HDL über längere Zeit. Wer seine Werte kennt, kann gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt das individuelle Risiko einschätzen und gezielt gegensteuern. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Rauchverzicht und ein gesundes Körpergewicht bilden dabei die wichtigste Grundlage – und ergänzen, falls nötig, eine medikamentöse Behandlung.

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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